Atlantis 2.0 – Meer, wo es nicht sein soll

Kaum ein von Menschen provoziertes Ereignis könnte so verheerende Folgen für die Umwelt haben, wie der Klimawandel und das Schmelzen der Gletscher. Hierbei liegt der Fokus nicht auf dem weltweiten Temperaturanstieg an sich, sondern viel mehr auf den katastrophalen Konsequenzen, die dieser mit sich führt. Der Meeresspiegel steigt, Orte, die früher vom Wasser gelebt haben liegen jetzt trocken, an anderen Stellen ist das Wasser, wo es vorher noch nie gewesen ist.

Einmal bitte alle aufwachen, der Klimawandel ist keine Verschwörungstheorie, sondern schlicht und ergreifend Fakt. Es ist kein Zufall, dass die Jahreszeiten nicht mehr so ablaufen wie früher, dass in Deutschland noch im Oktober Temperaturen von deutlich über 20 Grad herrschen oder dass Schnee an Heilig Abend eine Rarität ist. Das Klima ändert sich und es ist unsere Schuld. Doch was genau haben wir da eigentlich angestellt? Sicher ist, dass wir eine Kettenreaktion ausgelöst haben, die sich nicht mehr aufhalten lässt, aber hoffentlich noch verlangsamt werden kann.

Was die Erderwärmung bringt
Durch das weltweite Bevölkerungswachstum und die Industrialisierung steigt der Gehalt an Treibhausgasen in der Atmosphäre immer weiter an. Dies führt zu einer immer stärkeren Erwärmung der erdnahen Atmosphäre, die durch den Einfluss der Menschen deutlich stärker ausgeprägt ist und schneller von statten geht, als im natürlichen Prozess. Diese erhöhte Durchschnittstemperatur bringt Veränderungen in der Umwelt mit sich: Es wird wärmer. Wenn die Temperatur der Erdnahen Atmosphäre so drastisch steigt, ist das ein verheerender Eingriff in den Klimazyklus und den Wechsel von Kälte-und Wärmephasen der Erde. Besonders betroffen hiervon sind die Antarktis und Grönland. Denn ist vom Anstieg des Meeresspiegels oder vom Schmelzen des Eises die Rede, bezieht man sich auf diese beiden Punkte. Durch die erhöhte Durchschnittstemperatur läuft das Schmelzen schneller und vor allem stärker ab, als im natürlichen Zustand. So kommt es auch zum deutlichen Anstieg des Meeresspiegels: Das Schmelzwasser Grönlands sorgt hierbei für einen Anstieg von gut 0,5 mm, die Antarktis bringt ein Plus von 0,2 mm pro Jahr. Gut, diese Zahlen wirken natürlich nicht annähernd so gefährlich, wie sie vielleicht im Endeffekt sein werden. Aber steigt der Satz an ausgestoßenen Treibhausgasen weiter und ungebremst, kann die Situation nicht mehr durch die Erhöhung der Deiche gemeistert werden. Zusätzlich zum Schmelzen der Gletscherlandschaften kommt noch die sogenannte „thermische Ausdehnung“ hinzu, die das Phänomen beschreibt, dass sich Substanzen, darunter auch das Meerwasser, bei höheren Temperaturen ausdehnen. Nimmt man all diese Prozesse zusammen, könnte der Meeresspiegel bis Ende des Jahrhunderts um gut 82cm steigen - und das ist noch einer der niedrigeren Schätzungswerte.

Was passiert, wenn der Meeresspiegel steigt?
Vereinfacht: die Welt verliert an Land. Ganz so einfach ist es aber natürlich nicht. Alles hängt davon ab, inwiefern man die Kettenreaktion Klimawandel noch abschwächen kann und welche Folgen letztendlich wirklich entstehen. Es lässt sich nur schwierig vorhersagen, wie weit die Gletscher der Arktis und die Grönlands schmelzen und dementsprechend auch, wie weit der Meeresspiegel noch steigen wird. An Spekulationen, Forschungsansätzen und Theorien hierzu mangelt es keinen Falls. An den Werten der Vergangenen Jahrzehnte und Jahrhunderte lässt sich eine drastische Zunahme erkennen, die wenig Gutes für die Zukunft verheißt, wenn es so weitergeht. Im 18. Jahrhundert gab es beispielsweise noch nur einen Anstieg von um die 2cm. Im Jahrhundert darauf stieg der Pegel dann bereits um ungefähr 6cm.  Das 20. Jahrhundert weist dagegen schon einen drastischen Anstieg von ca. 19cm auf. Orientiert man sich nun an diesen Zahlen kann man sich vorstellen, wie verheerend die Zahlen in Zukunft ausfallen könnten, wenn der Meeresspiegel weiterhin so drastisch ansteigt.

Betroffene Regionen
Für viele Inselstaaten und Küstenregionen könnte ein weiterer Anstieg des Meeresspiegels zur Katastrophe werden. Denn gerade in diesen Regionen leben viele Menschen, um genauer zu sein mit um die 630 Millionen Menschen etwas weniger als 10% der Weltbevölkerung. Diverse Landabschnitte würden so einfach vom Meer verschlungen werden. Bei den betroffenen Gebieten handelt es sich zusätzlich meist auch noch um bevölkerungstechnische Ballungspunkte. Unter ihnen befinden sich beispielsweise die Niederlande, Bangladesch sowie große Teile der Ostküste der USA, darunter dann auch Großstädte wie New York.
Auch das beliebte Urlaubsziel Costa Rica in Zentralamerika würde von einem deutlichen Anstieg des Meeresspiegels nicht verschont bleiben. Schon jetzt kann man an den Küsten des Landes erste Auswirkungen des Klimawandels wahrnehmen; Die Strände werden langsam aber sicher immer kleiner, weil der Wasserpegel so stark zunimmt. Das schadet dem kleinen Land nicht nur hinsichtlich der Natur, sondern auch wirtschaftlich, denn gerade die Küstenregionen sind existenziell für den Tourismus, der eine wichtige Einnahmequelle darstellt. In mehreren Orten gab es bereits gefährliche Überschwemmungen, die vieles zerstört haben und Chaos hinterlassen haben. Inwieweit das Meerwasser in den kommenden Jahren noch weiter zunimmt ist also eine enorm wichtige Frage für die betroffenen Regionen, um entsprechende Maßnahmen zu treffen. Wichtiger Anhaltspunkt für Schätzungen und Forschungen ist, wie bereits erwähnt, die Gletscherlandschaft Grönlands.

 

Funde in Grönland lassen auf komplettes Abschmelzen schließen

Grönland von oben

Ausschlaggebend für diese Theorie ist der Fund von radioaktiven Elementen am Grund des Eises in Grönland. Bei den Elementen handelt es sich um Beryllium-10 und Aluminium-26. Diese Substanzen bilden sich, wenn kosmische Strahlung das Gestein erreicht. Da diese Stoffe gefunden wurden vermutet man, dass das Gestein eine Zeit lang nicht vom Eis bedeckt war, denn ist der Erdboden von Eis bedeckt, entstehen diese Substanzen nicht. Durch den Zerfall dieser radioaktiven Elemente schließen Forscher darauf, dass das Eis für einen längeren Zeitraum komplett geschmolzen war, denn man hat deutlich höhere Werte der Substanzen gefunden, als die Werte, die für den Zeitraum hätten gemessen werden müssen, sofern das Gestein die ganze Zeit von Eis bedeckt gewesen wäre. Diese Funde wirken durchaus besorgniserregend, denn die Folgen des beschleunigten Abschmelzens durch Menschenhand wären Katastrophal.Schmilzt das Eis in Grönland komplett, würde das Meer um etliche verheerende Meter steigen. Neue Messungen am Eis lassen jetzt aber vermuten, dass das tatsächlich passieren könnte. Es gibt Hinweise darauf, dass das Eis Grönlands doch nicht so stabil ist, wie bis jetzt vermutet wurde. In den natürlichen Wärmeperioden sei das Eis nämlich vermutlich auch komplett geschmolzen und hätte Grönland deshalb in den vergangenen 1,4 Millionen Jahren für ca. 280.000 Jahre freigelegt. Dies würde bedeuten, dass das Gletschereis natürlich auch als Folge eines menschlichen Eingriffs in die Umwelt komplett verschwinden könnte.Allerdings gibt es, wie so häufig, auch Funde, die einen Gegenbeweis liefern wollen. Vor der Ostküste Grönlands fand ein anderes Forschungsteam im Meeresboden nämlich kaum etwas der Elemente Beryllium-10 und Aluminium-26, was darauf schließen lässt, dass das Gestein an dieser Stelle lange keiner kosmischen Strahlung ausgesetzt war. Demnach müsste das Gestein Grönlands seit mindestens 7,5 Millionen Jahren von Eis umschlossen gewesen sein – Das würde bedeuten, dass auch in den Wärmeperioden der Erde eine Eisschicht vorhanden war. Ihre Richtigkeit haben vermutlich beide Funde, wenn man bedenkt, dass das Gestein ja auch nicht zwangsweise immer am Fundort gelegen haben muss.

Absolute Sicherheit was in Zukunft mit dem Eis in Grönland passieren wird und in welchem Ausmaß sich das auf den Meeresspiegel auswirkt erhält man durch die verschiedenen Beobachtungen also nicht. Was fest steht ist aber, dass diese neuen Funde Beweis für den Bedarf an weiteren Forschungen sind. Denn sich bei diesem Thema lediglich auf Schätzungen und Vermutungen zu verlassen, wäre viel zu gefährlich. Fakt ist jedoch, dass der Meeresspiegel in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist und mit zunehmender Geschwindigkeit weiter steigt. Die Auswirkungen des Klimawandels sind demnach klar erkennbar und in diversen Regionen ausgeprägt. Um noch schlimmeres zu verhindern und verschiedene Gebiete vor dem „ertrinken“ zu retten ist es also dringend erforderlich, dass die Notbremse gezogen wird. Denn wenn dem Gletscherschmelzen und der Erderwärmung nicht weiter Einhalt geboten wird, wohnen wir vielleicht demnächst alle am Meer, auch wenn wir das so gar nicht geplant haben.

Beitrag von Esther Feustel

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